Abstinenznachweis bei Alkohol und Drogen

Wenn Sie unter starkem Alkohol- oder auch nur minimalen Drogeneinfluss (der bloße Nachweis des grundsätzlichen Konsums reicht hier bereits oft aus) im Straßenverkehr auffällig oder straftätig geworden sind, verlangt die Fahrerlaubnisbehörde bei Antrag auf Wiedererteilung (nach Entzug des Führerscheins) nicht nur eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) von Ihnen, sondern zusätzlich einen belastbaren Nachweis dafür, dass Sie sich von Alkohol oder Drogen über einen längeren Zeitraum fernhalten können. Dieser Nachweis wird auch als Abstinenznachweis bezeichnet.

Dem Abstinenznachweis liegen mehrere Laboruntersuchungen (Urin, Blut, Haare), die der auffällig gewordene Kraftfahrer in Auftrag geben und bezahlen muss. Entsprechende Alkohol- oder Drogenkontrollprogramme werden von den Begutachtungsstellen für Fahreignung, also den amtlich anerkannten Trägern der MPU, selbst angeboten. Sie können den Abstinenznachweis jeodch auch mittels Laboruntersuchungen durch Labore durchführen lassen, die entsprechend akkreditiert sind und somit gerichtsfeste Analysen durchführen dürfen. Die Bescheinigung eines Hausarztes reicht bei einer MPU hingegen nicht als Abstinenznachweis aus.

Wie oben angedeutet, werden im Rahmen eines Drogen- oder Alkoholkontrollprogramms Urin, Blut oder Haare unter Aufsicht eines Arztes und ohne langfristige vorherige Ankündigung (Urinkontrollen meist innerhalb von 24 Stunden) entnommen und anschließend auf Rückstände von Alkohol, Drogen oder Medikamenten untersucht. Je nach Länge des geforderten Abstinenzzeitraums werden 4 Untersuchungen (bei 6 Monaten) oder 6 Kontrollen (bei 12 Monaten) durchgeführt. Die Nachweisbarkeitszeiten variieren dabei in Abhängigkeit von der Art der konsumierten Droge ganz erheblich, allerdings arbeiten die Labore unglaublich exakt, sodass selbst minimale Rückstände der Drogen oder ihrer spezifischen Stoffwechselprodukte in der Regel nicht unentdeckt bleiben und zu einem sofortigen Abbruch des Programms respektive einem negativen Gutachten führen können.

Alkohol und Drogen wie lange nachweisbar?

Übersicht über die wichtigsten Substanzen und ihre Nachweisbarkeitszeiten bei Urin- und Blutanalysen.

Substanz (Droge)
Cannabis
Bei einmaligen Konsum in der Regel 2-3 Tage in Blut und Urin nachweisbar, bei regelmäßigem Konsum 6-8 Wochen, bei chronischem Konsum bis zu 3 Monate. Berücksichtigen Sie die lange Nachweisbarkeit bei Ihrer MPU-Vorbereitung. Auch wenn nur noch minimale Rückstände eines Betäubungsmittels oder dessen Stoffwechselprodukts (bei Cannabis ist das THC-COOH) nachweisbar sind, müssen Sie das Drogenkontroll- bzw. Abstinenzprogramm von vorne beginnen. Sparen Sie sich also bei zu erwartender Nachweisbarkeit die Kosten von ca. 80 bis zu 120 Euro je Screening.
Opiate

Heroin und andere Opiate sind im Urin zwischen 1 und 4 Tagen nachweisbar, im Blut sogar nur bis zu 8 Stunden. Bedenken Sie jedoch, dass bei chronischem Konsum eine längere Nachweisbarkeit möglich ist, da Ihr Köper nur eine bestimmte Menge eines Stoffs in einer gewissen Zeit abbauen kann.

Kokain Benzoylecgonin (Abbauprodukt). Kokain selbst ist im Blut nur etwa 24 Stunden lang nachweisbar. Nachgewiesen wird aber in der Regel das Abbauprodukt Benzoylecgonin, das nicht psychoaktiv ist. Selbst kleinste Mengen davon führen unweigerlich zum sofortigen Verlust der Fahrerlaubnis. Benzoylecgonin ist bis zu 4 Tage lang im Urin und im Urin nachweisbar.
Amphetamine (Speed, MDMA, etc.) sind im Blut nur etwa 24 Stunden und im Urin bis zu 3 Tage lang nachweisbar.
Methadon ist in Blut und Urin 2-3 Tage lang nachweisbar.
Benzodiazepine sind in Blut und Urin zwischen 1 Tag und 6 Wochen lang nachweiswar, je nach Art der konsumierten Substanz, ihrer Menge und Häufigkeit.
Alkohol Ethylglicuronid (ETG) ist im Blut nur wenige Stunden lang nachweisbar. Im Urin kann ETG bis zu 72 Stunden nach Ende des Konsums nachgewiesen werden
Mehr Infos zu den einzelnen Drogen und ihren Cut-Off-Werten bei Laboruntersuchungen finden Sie in der folgenden Tabelle. Es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit der Angaben.

 

 

Alkohol und Drogenscreening
Cut-Off-Werte bei Urin- und Haarproben

Substanz (Droge) Urin
(Angaben in ng/ml)
Haare
(Angaben in μg)
Cannabis (Marihuana und
Haschisch)
THC-COOH (THC-Carbonsäure – Abbauprodukt)THC (Delta9-Tetryhydrocannabinol)
10 0,02
Opiate (Heroin, Morphium,
Codein)
Morphin (Codein, Dyhydrocodein
und in Haaren 6-Monoacetylmorphin)
25 0,1
Kokain
Benzoylecgonin (Abbauprodukt)
30 0,1
Amphetamine (Speed, MDMA,
etc.)
Amphetamin und Designer Amphetamin
50 0,1
Methadon
Methadon
50 0,1
Benzodiazepine
Diazepam (Valium)
Nordiazepam
Oxazepam
Alprazoloam (z. B. Xanax)
Hydroxy-Alprazoloam
Bromazepam
Flunitrazepam (z. B. Rohypnol)
7-Aminoflunitrazepam
Lorazepam
50
50
50
50
50
50
50
50
50
50
0,05
0,05
0,05
0,05
0,05
0,05
0,05
0,05
0,05
0,05
Alkohol
Ethylglicuronid
100 0,007
Die Grenzwerte werden laufend aktualisiert. Es besteht kein Anspruch auf
Vollständigkeit oder Richtigkeit.