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Führerschein oder Joint ?

Cannabis ist bei jungen Leuten wieder in Mode gekommen. Viele Konsumenten dieser Droge rauchen die getrockneten Blüten oder das aus dem Harz der weiblichen Hanfpflanze gewonnene und zu braunen Platten gepresste Haschisch nur gelegentlich, um “einfach mal abzuschalten”, andere hingegen sind psychisch süchtige “Pegelkiffer” und rauchen bereits nach dem Aufstehen ihren ersten Joint oder ein “Köpfchen”. So bezeichnet man das metallene Depot einer Bong, in die das oft mit Tabak gemischte Gras oder Haschisch zur Verbrennung und anschließenden Inhaltation eingefüllt wird.

Trenddroge Cannabis

Die Entwicklung von Cannabis zu einer Trenddroge ist mehreren Ursachen geschuldet, die kaum vollumfänglich erfassbar sind. Sicher ist jedoch, dass

  • die gesellschaftliche Akzeptanz von Cannabis und anderen Drogen extrem zugenommen hat. Wer in Köln, Hamburg oder Berlin eine Party oder einen Club besucht, wird feststellen, dass Cannabiskonsum längst zur Normalität gehört.
  • der Konsum von Cannabis in zunehmendem Maße als ungefährlich angesehen wird, obwohl das Kiffen bei sehr jungen Konsumenten, bei denen das Gehirn noch nicht vollständig entwickelt ist, schwerwiegende Konsequenzen haben kann.
  • die politische Forderung einer Legalisierung (wie in Teilen der USA) oder staatlich kontrollierten Abgabe von Cannabis im Rahmen eines Coffeeshop-Modells (siehe Niederlande) zu einer Verharmlosung von Cannabis als Droge beigetragen hat.

Ist Cannabis gefährlich?

Die gesundheitlichen Konsequenzen des Cannabiskonsums sind Bestandteil einer weltweiten politischen und wissenschaftlichen Diskussion. Niemand weiß so recht, wie schädlich oder auch nützlich Cannabis eigentlich ist. Zwar ist der medizinische Nutzen des Wirkstoffs THC bei bestimmten medizinischen Indikationen (PTBS, Multiple Sklerose, etc.) mittlerweile weitgehend unumstritten. Doch die allermeisten Konsumenten konsumieren Cannabis nicht, um schmerzhafte körperliche oder psychische Krankheiten zu lindern. Vielmehr setzen sie Cannabis dazu ein, einen Rauschzustand herbeizuführen, der mit einer sinnvollen medizinischen Therapie absolut nichts gemeinsam hat. Diesen Konsumenten geht es darum, Stress zu bewältigen, abzuschalten, runterzukommen – um Ziele also, die auch ohne Drogenkonsum im Rahmen anderer Freizeitakivitäten wie Sport o. Ä. erreichbar wären. Die amerikanische Regierung hat im Rahmen der Legalisierung von Cannabis in diversen Bundesstaaten der Vereinigten Staaten untersucht, inwieweit Cannabis sich auf die Intelligenz der Konsumenten auswirkt. Dabei kam heraus, dass erwachsene Gelegenheitskiffer trotz Cannabiskonsums keine Intelligenzdefizite im Vergleich zur nüchternen Kontrollgruppe aufwiesen. Verheerend wirkte sich der Konsum jedoch auf Kiffer im Teenageralter aus. Bei dieser Konsumentengruppe, deren Gehirn noch nicht vollständig ausgereift war, sank der Intelligenzquotient im Vergleich zur abstinenten Kontrollgruppe. Außerdem ist unbestritten, dass Cannabis bei einigen Konsumenten psychische Erkrankungen verursachen kann wie etwa Psychosen oder im schlimmsten Fall sogar Schizophrenie.

Cannabis und Führerschein

Viele Gras- und Haschkonsumenten setzen sich regelmäßig hinters Steuer, ohne dabei über die Konsequenzen des Cannabiskonsums im Hinblick auf die Fahrerlaubnis zu bedenken. Wer seinen Führerschein jedoch behalten will, sollte sich darüber im Klaren sein, dass Autofahren unter dem Einfluss von Cannabis bzw. dessen berauschenden Wirkstoffs THC ernsthafte Konsequenzen nach sich zieht. Dabei spielt es oft keine Rolle, ob der Auto- oder Motorradfahrer unmittelbar vor der Fahrt gekifft hat oder nicht, denn Cannabis ist (gerade bei Dauerkonsum) oftmals auch noch 12 Wochen nach dem Konsum nachweisbar, in Haarproben sogar bis zu 12 Monate.

Wer Cannabis konsumiert und ein Fahrzeug im Straßenverkehr lenkt, begeht in Deutschland eine Ordnungswidrigkeit, die mit 4 Punkten in Flensburg und einer Geldbuße in Höhe von 500 Euro (bei Erstvergehen) geahndet wird. Hinzu kommen die Kosten für eine Blutentnahme und die anschließende Untersuchung im Labor, sowie etwaige Fahrtkosten für die “Taxifahrt” mit dem Streifenwagen aufs Polizeirevier oder nächstgelegene Krankenhaus. Da die Polizei gehalten ist, Drogendelikte auch der Fahrerlaubnisbehöre zu melden, bekommt der Konsument in der Regel schon nach kurzer Zeit einen weiteren unerfreulichen Brief. In Abhängigkeit von den gemessenen THC-Werten im Blut wird er darin im Bestfall zu einem ärztlichen Gutachten aufgefordert, das noch einmal mit mehr als 200 Euro zu Buche schlägt. Sofern die Werte auf einen regelmäßigen Konsum hindeuten (dafür reichen bereits 2 oder 3 Joints pro Woche), wird die Fahreignung angezweifelt und der Führerschein entzogen. Der Antrag auf Wiedererteilung kostet dann weitere ca. 220 Euro. Sobald dieser Antrag gestellt wird, wird die Fahrerlaubnisbehörde eine positives MPU-Gutachten zur Bedingung für die Neuerteilung machen und somit eine MPU anordnen. Sofern der Antragsteller sich außer dem Drogenkonsum keine größeren Verfehlungen geleistet hat (Punkte, Straftaten), belaufen sich die Kosten für die MPU inklusive der über einen Zeitraum von 6 Monaten zu erbringenden Abstinenznachweise auf ca. 1200 Euro. Die Kosten für eine MPU-Vorbereitung sind darin nicht eingeschlossen, sollten jedoch berücksichtigt werden, denn ohne eine solide MPU-Vorbereitung ist die medizinisch-psychologische Untersuchung kaum zu meistern.

Um Führerscheinneulinge vor den Kosten- und Sicherheitsrisiken des Cannabiskonsums im Straßenverkehr zu warnen, hat sich der Kreis Mettmann eine originelle Idee einfallen lassen. Führerscheinanwärter erhalten dort nach bestehen der Prüfung neben Ihrem eigentlichen Führerschein einen verblüffend ähnlich aussehenden Kartenführerschein mit einem Hologramm. Kippt man die Karte auf eine Seite, so sieht der Betrachter einen Musterführerschein. Kippt man die Karte jedoch in die andere Richtung, so erscheint das Bild eines brennenden Joint. Will heißen: Führerschein oder Joint. Diese Entscheidung muss jeder Kiffer für sich treffen. Spätestens aber nach der ersten Alkohol- und Drogenkontrolle.